DFG-Projekt „Kleine Veränderungen“ Fallstudien
Mit Devon in Südwestengland, dem oberbayerischen Mangfall- und Inntälern und der Mani-Halbinsel in Griechenland untersucht „Kleine Veränderungen“ drei ländliche Regionen mit unterschiedlichen naturräumlichen und historischen Voraussetzungen. Der Vergleich ermöglicht es, das Zusammenspiel von lokalem Wissen, Landnutzung und gesellschaftlichem Wandel im Mittelalter zu erforschen. Wie gingen Gemeinschaften unter diesen unterschiedlichen Bedingungen mit Veränderungen um? Welche Praktiken ermöglichten Kontinuität, welche eröffneten neue Handlungsmöglichkeiten? Die drei Fallstudien helfen dabei, regionale Besonderheiten und übergreifende Muster zu erkennen.

Devon
Devon ist eine Landschaft im Südwesten Großbritanniens. Das milde, niederschlagsreiche Klima begünstigte eine vorwiegend auf Schaf- und Rinderhaltung ausgerichtete Landwirtschaft. Eine vergleichsweise lockere Grundherrschaft ermöglichte vielen bäuerlichen Gemeinschaften weitreichende Eigenständigkeit. Geoarchäologische Untersuchungen des Projektteams zeigen, dass Teile der heutigen Siedlungs- und Flurstruktur bis ins erste Jahrtausend n. Chr. zurückreichen. Diese Beständigkeit beruht teilweise auf dem flexiblen Bewirtschaftungssystem „convertible husbandry“, bei dem Flächen zwischen Ackerbau und Weideland wechselten.

Inn- und Mangfalltäler
Das bayerische Voralpenland im Landkreis Rosenheim reicht vom Hügelland bis in die Alpen. Hohe Niederschläge, schneereiche Winter und große Höhenunterschiede prägen die Landwirtschaft: Ackerbau und Viehhaltung im Hügelland ergänzen sich mit der Almwirtschaft im Gebirge. Außergewöhnlich gut erhaltene Schriftquellen, historische Katasterpläne und im Boden bewahrte Flurstrukturen ermöglichen es, die Entwicklung dieser Kulturlandschaft seit dem Mittelalter nachzuvollziehen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie unterschiedliche Bewirtschaftungssysteme unter lokaler Verwaltung an gesellschaftliche und klimatische Veränderungen angepasst wurden.

Mesa Mani
Die Mesa Mani im Süden der griechischen Peloponnes ist von Terrassen, Trockensteinbauten und Zisternen geprägt. Wegen spärlicher Schriftquellen und schwer datierbarer Ruinen galt die Region im frühen Mittelalter lange als weitgehend verlassen. Seit 2022 untersucht ein Team aus Newcastle/Durham diese Landschaft mit digitalen 3D-Verfahren und geoarchäologischen Methoden. Erste Datierungen zeigen, dass landwirtschaftliche Terrassen zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert angelegt und weiterentwickelt wurden. Die Ergebnisse stellen das bisherige Bild infrage und eröffnen neue Einblicke in die byzantinischen Ursprünge der heutigen Kulturlandschaft.
