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Über uns Geschichte des Instituts

Die Geschichte des hutigen Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie der Universität Heidelberg ist untrennbar mit den wissenschaftlichen Entwicklungen, aber auch mit den politischen Zäsuren des 20. Jahrhunderts verbunden. Wir verstehen es als unsere Aufgabe, diese Geschichte – einschließlich ihrer dunklen Kapitel – offen zu benennen und anzusprechen.

Gründungsphase und Nationalsozialismus

Ein erster vergeblicher Versuch in den Jahren 1922–1925 ein Institut für Prähistorische Forschung in der Art eines selbstständigen An-Instituts an der Universität Heidelberg zu errichten, stieß im zuständigen Ministerium auf Widerstand. Ebenso lehnte es noch 1932 die Errichtung eines eigenständigen Instituts unter der Leitung Ernst Wahles (1889–1981), die von den jüdischen Mäzenen Viktor und Leontine Goldschmidt und die von ihnen ins Leben gerufene 'Josefine und Leonhard von Portheim-Stiftung für Wissenschaft und Kunst' [1] nach Kräften unterstützt wurde, mit der Begründung ab, man sehe dafür keinen Bedarf [2].

Doch schon ein Jahr später begann die Geschichte des heutigen Instituts, die zunächst eng mit der nationalsozialistischen Diktatur verknüpft war: 1933 wurde zunächst eine deutsch-national ausgerichtete 'Lehrstätte für Vorgeschichte' unter der Leitung Ernst Wahles errichtet. Bereits 1934 trat Wahle, der die Weimarer Republik stets abgelehnt hatte, dem Nationalsozialistischen Lehrerbund und der Fachgruppe für deutsche Vorgeschichte im Kampfbund für deutsche Kultur bei, konnte aber erst 1937 Mitglied der NSdAP werden, nachdem diese einen seit 1933 geltenden Aufnahmestopp für Neumitglieder aufgehoben hatte [3].

Ebenfalls 1937 wurde Wahle zum „außerplanmäßigen und nicht-ordentlichen Professor“ der Lehrstätte für Vorgeschichte ernannt, erhielt jedoch nie ein Ordinariat. Daran dürften einige von Wahles „ein wenig zur Sperrigkeit neigenden Naturell“ [6] dürften daran auch einige seiner Schriften und Vorträge Anteil gehabt haben, in denen er sich weniger aus ideologischen Gründen, als aus dem Bemühen um wissenschaftliche Objektivität auf Grundlage strenger Methodik immer wieder vom ideologisch verordneten Germanenbild des Nationalsozialismus distanzierte [3]. Das gilt insbesondere für seine Schrift „Zur ethnischen Deutung frühgeschichtlicher Kulturprovinzen“ [4].

Nachkriegszeit

Mit dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur wurde Wahle aufgrund seiner Mitgliedschaft in der NSDAP aus dem Lehrbetrieb entlassen. Das anschließende Entnazifizierungsverfahren (1946-1950), in dessen Akten zu lesen ist, dass mehrere seiner Publikationen (z. B. „Deutsche Vorzeit“) eingestampft sowie auf die Liste der „unerwünschten Literatur“ gesetzt worden seien [4], seine Mitgliedschaft in NS-Verbänden hingegen keine Erwähnung findet, stufte ihn zunächst als „Mitläufer“ (Oktober 1946), nach einem Berufungsverfahren dann als „entlastet“ (Januar 1947) ein [5]. 1946 wurde Wahle daher wieder in den Lehrbetrieb aufgenommen und leitete das Institut schließlich als Ordinarius bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1957.

Die Entwicklung des heutigen Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie

In den folgenden Jahrzehnten stand das Institut unter der Leitung von Vladimir Milojčić (1958–1978), Harald Hauptmann (1980–1994) und Joseph Maran (1996–2025). Eine 1964 eingerichtete zweite Professur für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie hatten zunächst Waltraud Schrickel (1964–1980) – eine der ersten Prähistorikerinnen in Deutschland, die eine Professur innehatte –, anschließend Clemens Eibner (1982–2008) sowie Thomas Meier (seit 2009) inne. Die durch die genannten Personen etablierten Forschungsschwerpunkte (u.a. Südosteuropa, Türkei und Deutschland) bilden bis heute einen Grundpfeiler des Instituts und trugen in der damaligen Zeit dazu bei, dass noch recht junge Institut für Ur- und Frühgeschichte zu internationalem Ansehen zu bringen. 

Darüber hinaus etablierte Harald Hauptmanns bei Übernahme der Institutsleitung im Jahr 1980 einen weiteren fachlichen Schwerpunkt: die Vorderasiatische Archäologie, die er auf Grundlage einer doppelten venia legendi bis zu seiner Emeritierung 1994 gemeinsam mit der Ur- und Frühgeschichte vertrat. Nach seiner Emeritierung lehrten die Wissenschaftlichen Mitarbeiter Felix Blocher (1995–2000) und Peter Miglus (2000–2021) das Fach, das seit Anfang der 2000er Jahre auch im Institutsnamen verankert ist. Seit 2021 verfügt die Vorderasiatische Archäologie über eine eigene, dauerhaft am Institut verankerte Professur, die zurzeit mit Aaron Schmitt besetzt ist.

Quellen

[1] Zur „Josefine und Leonhard von Portheim-Stiftung für Wissenschaft und Kunst" sowie dem Schicksal der Gründer Viktor und Leontine Goldschmidt siehe S. Dietrich – M. Pavaloi, Die von Portheim-Stiftung in Heidelberg – 100 Jahre für Wissenschaft und Kunst (2020).
[2] https://www.propylaeum.de/themen/wahle/curriculumvitae;- letzter Zugriff: 21.06.2026.
[3] Vgl. auch die Darstellung Wahles bei Dietrich Hakelberg, Deutsche Vorgeschichte als Geschichtswissenschaft — Der Heidelberger Extraordinarius Ernst Wahle im Kontext seiner Zeit. In: Heiko Steuer (Hrsg.), Eine hervorragend nationale Wissenschaft. Deutsche Prähistoriker zwischen 1900 und 1995. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde – Ergänzungsband 29 (Berlin/New York 2001) 199-310.
[4] https://digi.hadw-bw.de/view/sbhadwphkl_1940_1941_2 - letzter Zugriff: 13.07.2026
[5] Generallandesarchiv Karlsruhe - Entnazifizierungsakte Ernst Wahle: 465Q Nr. 11985. 
[6] https://www.propylaeum.de/themen/wahle/praehistorie; - letzter Zugriff 10. Juli 2026.