Über uns Geschichte des Instituts
Die Geschichte des heutigen Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie der Universität Heidelberg ist untrennbar mit den wissenschaftlichen Entwicklungen, aber auch mit den politischen Zäsuren des 20. Jahrhunderts verbunden. Wir verstehen es als unsere Aufgabe, diese Geschichte – einschließlich ihrer dunklen Kapitel – offen zu benennen und anzusprechen und Ihnen einen vollumfänglichen Überblick über die Entstehung unseres Instituts zu geben.
Gründungsphase und Nationalsozialismus
Erste Versuche, ein Institut für Prähistorische Forschung an der Universität Heidelberg zu etablieren, fanden in den 1920er Jahren statt, stießen jedoch im zuständigen Ministerium auf wenig Unterstützung und wiederholt auf Widerstand. Auch der Versuch, im Zusammenhang mit einer geplanten Sammlungsschenkung durch die von Viktor und Leontine Goldschmidt ins Leben gerufene „Josefine und Leonhard von Portheim-Stiftung für Wissenschaft und Kunst“ [1] ein eigenständiges Institut unter der Leitung des Fachmanns Ernst Wahle (1889–1981) einzurichten, wurde noch 1932 vom zuständigen Ministerium mit der knappen Begründung abgelehnt, man sehe dafür keinen Bedarf [2].
Erst 1937 wurde Wahle, der seit 1934 als Beamter an der Universität arbeitete, zum „außerplanmäßigen und nicht-ordentlichen Professor“ der Lehrstätte für Vorgeschichte ernannt, in die auch die entsprechende Sammlung eingegliedert wurde. Das Ordinariat wurde Wahle allerdings verweigert, da er mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten der vorherrschenden Parteiideologie widersprach und mehrere seiner Publikationen (z. B. „Deutsche Vorzeit“) eingestampft sowie auf die Liste der „unerwünschten Literatur“ gesetzt wurden. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Wahle, der seit Oktober 1937 Mitglied der NSDAP gewesen war, aus dem Lehrbetrieb entlassen [4]. Das anschließende Entnazifizierungsverfahren stufte ihn zunächst als „Mitläufer“ (Oktober 1946), nach einem Berufungsverfahren jedoch als „entlastet“ (Januar 1947) ein [4]. 1946 wurde Wahle wieder in den Lehrbetrieb aufgenommen und leitete das Institut schließlich als Ordinarius bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1957.
Die Entwicklung des heutigen Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie
In den folgenden Jahrzehnten stand das Institut unter der Leitung von Vladimir Milojčić (1958–1978), Harald Hauptmann (1980–1994) und Joseph Maran (1996–2025), die alle drei massiv zur Entwicklung des heutigen Instituts und jeweiliger Forschungsschwerpunkte beitrugen. Eine 1964 eingerichtete zweite Professur für Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie wurde zunächst von Waltraud Schrickel (1964–1980) und anschließend von Clemens Eibner (1982–2008) wahrgenommen; seit 2008 ist sie mit Thomas Meier besetzt.
Mit dem Amtsantritt Harald Hauptmanns im Jahr 1980 wurde ein weiterer fachlicher Schwerpunkt gesetzt: die Vorderasiatische Archäologie, die er auf Grundlage einer doppelten venia legendi gemeinsam mit der Ur- und Frühgeschichte vertrat. Nach seiner Emeritierung lehrten Felix Blocher (1995–2000) und Peter Miglus (2000–2021) das Fach. Seit 2021 ist die Vorderasiatische Archäologie mit einer eigenen Professur dauerhaft am Institut verankert, die Aaron Schmitt innehat.
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[1] Für weitere Informationen zur „Josefine und Leonhard von Portheim-Stiftung für Wissenschaft und Kunst", ihrer Umstrukturierung zwischen 1933 und 1935 sowie dem Schicksal der Gründer Viktor und Leontine Goldschmidt empfehlen wir die Publikation 100 Jahre für Wissenschaft und Kunst (2020).
[2] https://www.propylaeum.de/themen/wahle/curriculumvitae - letzter Zugriff: 02.03.2026
[3] S. Dietrich – M. Pavaloi, Die von Portheim-Stiftung in Heidelberg – 100 Jahre für Wissenschaft und Kunst (2020), S. 132
[4] Generallandesarchiv Karlsruhe - Entnazifizierungsakte Ernst Wahle: 465Q Nr. 11985