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Forschung

Kurzbeschreibung

In meiner Dissertation untersuche ich die Möglichkeiten und Grenzen der phönizischen Landwirtschaft im Kernland (Zentrallevante) während der späten Eisenzeit basierend auf einem interdisziplinären Ansatz und einer fundierten Methodik. Die allgemein gängige Forschungsmeinung in der Phönizischen Forschung ging bisher davon aus, dass eine Subsistenzwirtschaft aufgrund unzureichender Ackerflächen nicht möglich gewesen ist. Diese Behauptungen basieren hauptsächlich auf Textquellen wie dem Alten Testament oder klassischen Autoren.

Im Gegensatz dazu bietet die vorliegende Studie eine umfassende Bewertung auf Grundlage archäologischer und geologischer Datensätze aus einem Untersuchungsgebiet in der Zentrallevante im Südlibanon. Eine Land Capability Analyse basierend auf Topographie und Bodeneigenschaften wurde durchgeführt, um die grundlegenden Umweltbedingungen, die eine landwirtschaftliche Nutzung beeinflussen, zu bestimmen. Die technischen Voraussetzungen der damaligen Zeit sowie potenzielle anthropogene Entscheidungsprozesse wurden anhand archäologischer, archäobotanischer und archäozoologischer Befunde der eisenzeitlichen Levante untersucht. Beide Parameter (umweltbedingt und anthropogen) wurden in einem Land Suitability Modell kombiniert, indem unterschiedliche Landnutzungsflächen und ihre jeweilige Eignung für die Kultivierung von Feldfrüchten quantifiziert wurden. Dies ermöglichte eine Quantifizierung der Ernteerträge, jeweils modelliert für ein Minimal- und ein Maximalszenario in Abhängigkeit vom Grad der landwirtschaftlichen Intensität.

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass auch jenseits der Küste ausreichend Ackerland vorhanden war, um den Lebensunterhalt einer großen Bevölkerungszahl zu sichern. Die Überprüfung des Modells in einer Fallstudie der phönizischen Fundstätte Tell el-Burak (Libanon) zeigte zudem, dass zumindest mit einzelnen Anbaupflanzen wie Oliven und Weintrauben sogar Überschüsse erwirtschaftet werden konnten. Um das anspruchsvolle Gelände sinnvoll zu nutzen, ist ein gewisses Maß an landwirtschaftlicher Intensität erforderlich, was jedoch in der eisenzeitlichen Levante zweifellos Anwendung fand. Diese Ergebnisse belegen, dass das hartnäckige Narrativ bezüglich der vermeintlichen Unzulänglichkeiten der phönizischen Landwirtschaft als überholt betrachtet werden muss.